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Seth Troxler: Shitstorm auf die neue EDM-Generation

Er liebt die Musik, aber haßt ihre neuen Fans!

Der amerikanische Elektro-DJ Seth Troxler hat die Nase voll von der neuen EDM-Generation. In einem offenen Brief auf Thump.Vice.com hat er sich über das aktuelle Musik-Biz und die Fan-Gesellschaft der Marke EDM beschwert und das Fass Old-School versus New-School aufgemacht. Weder an Aoki und Avicii noch an den EDM-Fans selber lässt er dabei ein gutes Haar. Sind neue Elektro-Festivals dekadent und alle EDM-Fans dumm oder was meint Troxler wirklich?

Die EDM-Kids von heute wachsen auf „ohne überhaupt je eine echte Clubkultur gesehen zu haben“, meint Seth Troxler in seinem offenen Brief. Und er muss es wissen. Als Troxler selbst noch ein junges Bürschchen in seiner Heimat Detroit war, ging er auf Untergrund-Partys und tanzte zu Techno, House und auf den Raves der 90er Jahre. In die Clubs wolle heute keiner mehr, meint er. Junge Elektro-Fans von heute fahren „lieber auf Festivals“ anstatt in die guten Clubs und insgesamt gebe es eine regelrechte Flut an EDM-Partys und Festivals.

Überhaupt ginge es nur noch um die „Festival-Experience“ und um das Dabei-Sein: „Wir ziehen eine Generation ungeduldiger und nerviger Festivalkids heran“, so Troxler. Es geht immer um das höher, weiter, schneller mit Festival-Must-Haves wie LED-Licht, Laser-Shows, Pyrotechnik, den Kampf um die erste Reihe und den Aoki-Kuchen im Gesicht. „Das hat nichts mit Clubbing zu tun, das ist eine Party für dumme Idioten", so der DJ weiter.

Zu früheren Zeiten hätte man in Clubs viel Zeit und Platz gehabt, um sich mit seinem Körper in Ruhe auf der Tanzfläche zu entfalten. Und jetzt geht es nur noch um einen prall gefüllten Raum, der komplett aufgeladen ist mit einer Art „Körper-Energie-Extremum“, wo sich die Mädels gegenseitig die „Koks-Reihen von der nackten Muschi“ schniefen. Die Art und Weise des Amüsements in der EDM-Szene gefährde die echte Clubkultur, findet Troxler. Das ist doch nichts als „Exzess und Trash“.

Auch EDM-Künstler selbst, wie Avicii und Aoki, hätten damit etwas zu tun. Die würden in der Szene ständig so gehypt, bis sie alle unter einem ultra Starsyndromen leiden und dabei machten sie „nicht einmal gute Musik“. Da würden schlechte DJs auf teuren Erlebnispark-Shows in den Himmel gehypt. Allgemein gehe es bei der neuen EDM-Szene „nicht um die Musik, sondern ums Geld“. Seth, der zur Elektro-Generation der ersten Stunde gehört, geht diese neue Maschinerie „tierisch auf den Sack“.

Früher habe die Szene noch echte Ideale geteilt. Damals sei es um Werte wie „Respekt Positivität und Gemeinschaft“ gegangen. Diese old-school und echte Musik-Kultur verliere durch die neue, teure und hippe EDM-Szene ständig an Authentizität und werde zunehmend dümmer und lächerlicher. Die kulturelle Tiefe, die der Elektroszene ursprünglich zu Grunde lag, gehe durch so etwas einfach kaputt.

Im Endeffekt bezieht sich Troxler’s Kritik nicht allein auf die EDM-Kultur, sondern vielmehr auf einen Generationenkonflikt: Die jüngsten Generationen haben, wie er findet, keine Ideale mehr, sondern leben nur noch nach dem Prinzip Yolo und wollen immer nur „mehr“ von allem. Und, auch wenn sich Seth’s offener Brief hauptsächlich auf das Musik- und Festival-Biz in den USA bezieht und er Ausnahme-Festivals wie das „Burning Man“ und das europäische „Tomorrowland-Festival“ in Schutz nimmt, im Grunde kann man auch hierzulande eine ähnliche Szene-Entwicklung nicht von der Hand weisen: Die Anzahl an EDM-Veranstaltungen nimmt stetig zu, aber was ist mit der Qualität? Was meint ihr zu dem heiklen Thema?

Foto: atomly via Photopin

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