Themen: Wochenende, Krass, feiern

„Ich wohne heimlich im Club“

Für Pascal hört das Wochenende nie auf.

Wenn im Club die Lichter angehen, ist Pascal* der letzte Gast, der geht. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn der 24-Jährige verbrachte schon die eine oder andere Nacht alleine in einem Club. Das erste Mal noch aus Versehen, jetzt immer mehr mit Absicht.  

„Beim ersten Mal habe ich mich so abgeschossen, dass ich auf der Toilette eingepennt bin“, erzählt Pascal. Der BWL-Student mit dem strahlenden Lächeln kennt in der Clubszene Gott und die Welt. Vom Security-Mann über den Inhaber bis zur Klofrau ist er mit allen per Du. In einigen Clubs hat er schon selber hinter dem Tresen gestanden und darf deshalb auch die Personaltoilette nutzen. Dort wachte er auch nach seiner ersten Clubübernachtung auf.

„Keine Ahnung, ob die mich da mit Absicht haben liegen lassen. Auf jeden Fall war’s schon krass, plötzlich alleine zu sein“, erzählt Pascal. Doch statt sich aus der misslichen Lage befreien zu lassen, nutzte er die Situation erst einmal aus: „Schließlich haben die mich da ja einfach weiterpennen lassen.“ An der Bar fand er alles, was er brauchte: Ein bisschen Obst aus dem Vorrat für die VIP-Gäste und alle Zutaten für einen Frühstückscocktail.

Als am späten Nachmittag der erste Mitarbeiter eintrudelte, hielt er Pascal für einen Einbrecher: „Mit meiner großen Klappe konnte ich ihn aber überzeugen, dass ich hier nicht eingestiegen bin, sondern eingeschlossen wurde.“ Seit diesem Vorfall hat Pascal Blut geleckt und hat es zu seinem Hobby gemacht, sich im Club einschließen zu lassen.

Zum Feiern geht der 24-Jährige nur noch mit seinem Übernachtungsrucksack, den er an der Garderobe abgibt. Darin verstaut er Klamotten zum Wechseln, Zahnbürste und natürlich Aspirin: „Ich sprühe mich am nächsten Tag mit Deo ein und bin dann direkt wieder startklar zum Feiern.“ Wie er das Personal austrickst, will Pascal nicht verraten. Schließlich will er noch eine Weile mit seinem Hobby weitermachen.

Hat Pascal denn keine Angst vor Anzeigen oder anderen rechtlichen Konsequenzen? „Nein, alles cool. Die meisten Inhaber kenne ich persönlich. Und alles, was ich vertrinke, zahle ich zurück, in dem ich hier an manchen Tagen aushelfe.“ Und was ist der besondere Kick daran im Club zu wohnen? „Es ist einfach eine andere Welt. Alleine in diesem Riesenraum zu stehen ist einfach irre und auch ein bisschen unheimlich. Halt etwas Besonderes. Außerdem habe ich hier genug Zeit und Ruhe, um meinen Rausch auszupennen.“

Pascals Freunde sind über das seltsame Hobby ihres Kumpels geteilter Meinung. Einige feiern ihn, wenn er mal wieder ein Club-Selfie auf Facebook postet. Andere finden die Aktion einfach nur bescheuert. Doch einen klaren Vorteil sieht Pascal in der ganzen Aktion: „Mit den Mädels komme ich immer sofort ins Gespräch, wenn ich ihnen sage, dass ich in einem Club wohne.“

*Name von der Redaktion geändert

Bild: Stefano Tinti/Shutterstock.com

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